Internationaler FreeNekane-Aktionstag am 6. April 2017

Am 6. April 2016 wurde Nekane Txapartegi in Zürich verhaftet. Seither sitzt sie in Auslieferungshaft. Die Behörden zögern ihren erstinstanzlichen Entscheid bezüglich des Auslieferungsgesuches des Spanischen Staates und Nekanes Asylgesuchs hinaus. Dennoch bleibt sie stark und kämpft! Am Jahrestag der Verhaftung sagen wir: Es reicht!

Wir rufen dazu auf, den Jahrestag der Verhaftung von Nekane, den 6. April 2017, zu einem internationalen Aktionstag zu machen.Werdet kreativ und aktiv und organisiert etwas für Nekane! Sei es nur etwas kleines oder eine grosse Aktion.

Wir sammeln hier die geplanten Aktionen vom 6. April, die an verschiedensten Orten stattfinden. Solltet ihr etwas organisieren, oder von einer Aktion wissen, schickt uns die Info dazu auf: aktionstag@freenekane.ch

Zürich: Free Nekane Demo, 19 Uhr, Piazza Cella (Facebook)

Berlin: in Planung…

 

Botschaft von Nekane zum Frauenkampftag

In diesen Tagen wo immer mehr Misogyne, Rassisten, Konservative, Faschisten, homo- und transphobe Männer an die Macht kommen, ist es wichtig, dass wir Frauen ein feministisches, politisches Subjekt bilden um das Herrschaftssystem von unten zu kippen.

Während viele den Feminismus als etwas, das zu „Weissen-Bonzen-Frauen“ gehört denken, Weiterlesen

Watson: Gefoltert, vergewaltigt, in Zürich inhaftiert – Nekanes Kampf gegen die spanische Justiz

Wie die 43-jährige Baskin Nekane Txapartegi die Schweiz in ein diplomatisches Dilemma bringt, weil sie ihr eigenes auflösen will: Die Gefolterte will wieder ganz werden. (14.12.2016)

Von Rafaela Roth

Nekạne, weiblicher Vorname, baskische Form des spanischen Vornamen Dolores (zu baskisch neke »Leid, Schmerz« + weibliche Endung -ne).

Donnerstagmorgen, 10. Dezember, 10:51 Uhr, Besucherraum 5, Untersuchungsgefängnis Zürich: «RAKAFAS Kemal» entziffere ich die Buchstaben, die ein Besucher Jahre zuvor in die hölzerne Ablage vor der Trennscheibe geritzt hat, «habt Erbarmen mit Kemal». Ob Kemal noch sitzt? Weiterlesen

Grussbotschaft von Nekane zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen (25. November)

Liebe Frauen, Liebe Genossinnen

Die sexistische Gewalt ist die Waffe des Patriarchats gegen uns Frauen. Von zu vielen von uns wurden die Körper geschändet, um uns unsere Würde wegzunehmen.
Wir wurden von der Polizei, Ehemännern, Pfarrer, Politiker, Familienangehörigen, Lehrer, Medien oder irgendjemandem gedemütigt und angegriffen. Aber diese Gewalt ist kein Unfall oder von irgendein ausser Kontrolle geratener Akt, sondern sie ist strukturell. Während 5 Tagen „incommunicado Haft“ hat die spanische paramilitärische Guarda Civil meinen Körper als politisches Kriegsfeld benutzt. Sie mussten mich wegen meinen politischen und sozialen Überzeugungen bestrafen und als Frau und Feministin haben sie mich in meinem Tiefsten verletzt, weil ich mich gegen die Unterdrückung und Herrschaft wehrte. Weil ich nicht die aufgezwungene Rolle der patriarchalen Struktur akzeptierte.
Ich schaffte es damals lebendig aus diesem „Kommissariat“ rauszukommen und gegen die erlebte sexuelle Folter weiter anzukämpfen. Leider können sich zu viele Frauen nicht wehren und das muss eine Ende haben!

Rebellieren wir! Lassen wir nicht unsere Körper als politisches Ausbeutungs- und Unterdrückungsfeld benutzt werden. Zerstören wir alle Mechanismen, alle kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Regeln und Verbote welche unsere Körper zu kontrollieren versuchen.

Zusammen sind wir stark und unaufhaltsam!

Der heutige Tag Gegen Gewalt an Frauen ist nicht nur ein Anlass alle sexistischen Angriffe zu denunzieren. Heute machen wir einen Schritt um den feministischen Widerstand gegen das Patriarchat voran zutreiben. Ich appelliere an alle Frauen für eine feministische Revolution aufzustehen, sich zu organisieren und zu kämpfen! Ich bin dabei!

Mit feministischen revolutionären Grüssen!

Nekane

Brief von Nekane zur Demo in Bern am 24.9.16

Meine Lieben
Zuerst will ich mich für eure Solidarität und Stellungnahmen zu meinem Fall bedanken. Während dieser fast 7 Monate habe ich verschiedene Seiten der Schweiz kennen gelernt: Die bürokratische aber auch die solidarische – in einander entgegengesetzter Position. Die Bürokratie sieht die Beziehungen zum spanischen Folterstaat als prioritär an und will mich wegen meiner politischen, sozialen und feministischen Einstellungen erneut bestrafen. Obwohl zahlreiche Beweise und Berichte meine Folter bestätigen, obwohl Antifolterorganisationen wie die OMCT, Humanrights und Amnesty International mich als Folteropfer anerkennen, wollen mir die Schweizer Behörden nicht glauben.

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WOZ: «Teufelskreis aus Angst und Stress»

Seit April sitzt die baskische Aktivistin Nekane Txapartegi in Auslieferungshaft. In Spanien drohen ihr fast sieben Jahre Haft. Die WOZ hat sie im Frauengefängnis in Dielsdorf besucht.

Von Merièm Strupler

Im Kostüm baskischer Karnevalsvorboten: Solidaritätsdemonstration für Nekane Txapartegi am 24. September in Bern. FOTO: FRANZISKA ROTHENBÜHLER

Im Kostüm baskischer Karnevalsvorboten: Solidaritätsdemonstration für Nekane Txapartegi am 24. September in Bern.
FOTO: FRANZISKA ROTHENBÜHLER

Hinter der Trennscheibe sitzt eine zierliche Frau mit braunen, schulterlangen Haaren. Die Trennscheibe geht bis zur Decke hoch, teilt den ohnehin schmalen, kargen Raum in zwei Hälften. Die Frau auf der anderen Seite ist Nekane Txapartegi. Jahrelang war die 43-jährige Aktivistin auf der Flucht vor dem spanischen Staat, bis sie im April in Zürich verhaftet wurde. Hier im Frauengefängnis Dielsdorf haben wir exakt sechzig Minuten Zeit. Weiterlesen

Rede von Nekane für die Demo vom 24.9.2016

Zuerst will ich alle, die sich heute draussen versammelt haben und alle, die drinnen im Gefängnis sitzen herzlich grüssen. Heute ist Bern ein Spiegel der internationalen Solidarität und Unterstützung. Ihr verkörpert den Kampf gegen die Folter und ihr seid die Stimme gegen die Auslieferung. Seit über fünf Monaten unterstützt ihr mich mit Briefen, mit Radio Sendungen, mit Grüssen und Besuchen, mit Feuerwerken und mit Demonstrationen. Damit macht ihr mir Mut und gebt mir Kraft nicht aufzugeben – trotz der vernichtenden Haftbedingungen und trotz den politischen, sozialen und kulturellen Erniedrigungen, die ich hier im Knast täglich erlebe. Ihr zeigt mir, dass ich nicht alleine bin. Und dass dieser Kampf ein kollektiver Kampf ist und dass unsere Solidarität unsere Waffe ist.

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Aufruf von Nekane für die Demo vom 24.9.16

Liebe FreundInnen und GenossInnen

Seit mehr als 5 Monaten habt ihr die Isolation und Dispersion, die ich im Gefängnis erlebe durchbrochen. Mit euren Briefen, Grüssen, den Kontaktaufnahmen per Radio, den Besuchen und Mobilisierungen habt ihr die schönsten Beispiele der internationalen Solidarität gezeigt. Jede eurer Aktionen gibt mir Mut und Kraft weiter zu kämpfen. Ich bedanke mich herzlich bei euch. An der Demo vom nächsten Samstag, 24. September werde ich nicht physisch teilnehmen können, aber ich werde dennoch Teil der Mobilisierung sein. Lassen wir von uns hören und die Auslieferung an den spanischen Folterstaat verhindern!

Wir sehen uns! Bis bald!

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

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Brief von Nekane

Diesen Brief richtet Nekane an alle solidarischen Menschen. Auf ihren Wunsch veröffentlichen wir ihn leicht redigiert:

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„Liebe Leute

Ich wollte euch schon lange Schreiben, aber ich war damit beschäftigt, mich gegen die alltägliche Schikane zu wehren. Von Anfang an hat die Direktorin versucht, die Besuche als ein Geschenk an mich darzustellen. Sie wollte mir unser Recht, uns zu umarmen als einen Gefallen präsentieren. Aber ich habe ihr schön erklärt, dass sie mir nichts schenkt, sondern dass das mein Recht ist. Das ist ein verbotenes Wort hier: Rechte. Sie kennen hier nur Strafen, Verbote und Drohungen. Ich darf nicht im Hausdienst arbeiten, da ich zu viel „Propaganda ¨für unsere Rechte mache“. Als ich nach einer schriftlichen Begründung fragte, waren es dann aber andere Gründe: Ich bekomme zu viel Besuch und es passt nicht. Unter der Woche kann ich an ausbeuterischen Beschäftigungen teilnehmen. Entgegen meinen Prinzipien und nur um soziale Kontakte zu garantieren, mache ich Scheiss-Jobs für etwa 5.- Franken am Tag. Meistens bekommen wir Handschuhe aus Malaysia, die wir auspacken müssen. Dann kleben wir eine Etikette drauf und packen sie wieder in Schachteln. Später werden sie dann als „Made in Switzerland“ verkauft. A la suisse – das Kapital kennt weder Ethik noch Moral… Diese Woche bereiten wir Werbung für eine Eröffnung von „Chickeria“ vor. Es ist zum Kotzen, wie viel Geld es gibt für so etwas, während Flüchtlinge vor Chiasso im Park wohnen. So motiviert gehe ich arbeiten, aber leider ist das die einzige Möglichkeit, um nicht total isoliert zu sein.

Die Wochenenden sind sehr belastend, da wir 23 Stunden pro Tag in der Zelle eingesperrt sind. Die WärterInnen teilen uns das Essen durch die Türklappe aus und sie sind die inzigen „Personen“, die ich in dieser Zeit sehe. Ich bin gezwungen, mit meinen EntführerInnen Kontakt zu pflegen, aber ich rede und frage nur das nötigste – die sind nicht meine FreundInnen!
Zum Juristischen: Die Anhörungen bezüglich des Asylgesuchs sind fertig und die letzte Klagen und Informationen gegen die Auslieferung wurden präsentiert. Die Asyl-Befragungen waren anstrengend, da ich Menschen, die viele Vorwürfe gegen mich erhoben von meinen Folter-Erfahrungen erzählen. Manchmal fühlte ich mich erneut gefoltert, weil sie mir nicht glaubten und ich das Gefühl hatte, dass die befragende Person die Absicht hatte, mir Lüge zu unterstellen. So ist die Schweizer Neutralität…
Ich hoffe, dass bald ein Entscheid gefällt wird, weil das Warten mir Kraft raubt.
Ich habe auch einen Brief an Marco geschrieben. Ich habe vor Längerem sein Buch gelesen und ich freue mich, dass er endlich raus kommt. Vielleicht treffen wir uns bald!

Ich höre sehr gern Lora, eure Grüsse und die Musik bringen mir die Solidarität in meine Zelle 😉

Mit herzlichen Grüssen, Nekane“