{"id":1518,"date":"2022-05-29T10:35:16","date_gmt":"2022-05-29T10:35:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freenekane.ch\/?p=1518"},"modified":"2022-05-29T10:35:17","modified_gmt":"2022-05-29T10:35:17","slug":"woz-nekane-txapartegi-ich-werde-nicht-still-sein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.freenekane.ch\/es\/woz-nekane-txapartegi-ich-werde-nicht-still-sein\/","title":{"rendered":"WOZ: NEKANE TXAPARTEGI: \u00abIch werde nicht still sein\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Nach f\u00fcnfzehn Jahren im Exil ist die politisch verfolgte Aktivistin Nekane Txapartegi ins Baskenland zur\u00fcckgekehrt. Die spanische Justiz hat die wichtigsten Anklagepunkte fallen gelassen, Txapartegis Kampf geht jedoch weiter.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2219\">Nr. 19\/2022 vom 12.05.2022<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Link WOZ: <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/-c725\">\u00abIch werde nicht still sein\u00bb | WOZ Die Wochenzeitung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/archiv\/%22No%C3%ABmi%20Landolt%22\">No\u00ebmi Landolt<\/a><a href=\"mailto:nlandolt@woz.ch?subject=%5BWOZ%20Text%5D%20Nekane%20Txapartegi%3A%20%C2%ABIch%20werde%20nicht%20still%20sein%C2%BB&amp;body=Frage\/Kommentar%20zum%20WOZ%20Text%20https%3A\/\/www.woz.ch\/-4SWTH6\">Mail an Autor:in<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/twitter.com\/noemi_landolt\" target=\"_blank\">Twitter Profil von Autor:in<\/a><strong>\u00a0(Text) und Caroline Minjolle (Foto)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.woz.ch\/sites\/woz.ch\/files\/styles\/field_text_topimage_default\/public\/text\/bild\/2219_04_nekane_txapartegi_tb.jpg?itok=x3DCqg0q&amp;timestamp=1652279354\" alt=\"\" title=\"\"\/><figcaption><strong>Jetzt droht ihr in Spanien noch eine geringe Strafe: Nekane Txapartegi in Z\u00fcrich.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die gute Nachricht kam per Telegram: \u00abLiebe Freund*innen. Wir haben die politische Verfolgung gestoppt! Ich bin mit meiner Tochter im Baskenland. Der internationale Haftbefehl und das Auslieferungsgesuch gegen mich wurden aufgehoben.\u00bb Nekane Txapartegi war nach f\u00fcnfzehn Jahren im Exil zum ersten Mal wieder ins Baskenland zur\u00fcckgekehrt. Zur\u00fcck in ihre Heimatstadt, zur\u00fcck zu ihren Freund:innen, Genoss:innen, ihrer Familie, ihrer kranken Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEs war sehr sch\u00f6n und ein Erfolg unseres Kampfes\u00bb, sagt Txapartegi und blinzelt entspannt in die Maisonne, die auf ihre Z\u00fcrcher Dachterrasse scheint. Sie habe auf der Flucht auch in Z\u00fcrich ein Zuhause geschaffen, sagt Txapartegi, die in mehreren feministischen Kollektiven aktiv ist und bei Radio Lora arbeitet. \u00abAls ich jetzt im Baskenland war, habe ich gemerkt, dass dort meine Wurzeln sind, dass dort die Leute sind, mit denen ich meine Sprache, meinen Kampf teile. Und meine Tochter, die die Schweiz zum ersten Mal in ihrem Leben verlassen konnte, hat endlich unsere Familie kennengelernt und das Meer gesehen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kein Pr\u00e4zedenzfall<\/h2>\n\n\n\n<p>Fast ihr halbes Leben lang wurde die heute 49-J\u00e4hrige von der spanischen Justiz verfolgt. 1999 war die damalige Gemeinder\u00e4tin der baskischen Kleinstadt Asteasu von der paramilit\u00e4rischen Guardia Civil verhaftet und auf dem Polizeiposten gefoltert und vergewaltigt worden. 2007 wurde sie in einem Massenprozess aufgrund eines unter Folter erzwungenen Gest\u00e4ndnisses zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen, bewaffneten Organisation. Auf ihrer Flucht gebar Txapartegi ein Kind, lebte Jahre in der Illegalit\u00e4t in Z\u00fcrich, bis sie 2016 erneut verhaftet wurde&nbsp;\u2013 aufgrund eines spanischen Haftbefehls. Siebzehn Monate verbrachte sie in verschiedenen Schweizer Gef\u00e4ngnissen. Auch nach ihrer Entlassung war sie st\u00e4ndig von der Auslieferung bedroht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nun gab im April das spanische Sondergericht Audiencia Nacional bekannt, dass s\u00e4mtliche Anklagepunkte gegen Nekane Txapartegi fallen gelassen w\u00fcrden&nbsp;\u2013 ausser jene wegen des Besitzes zweier gef\u00e4lschter Ausweise. \u00abEs kam mir ein bisschen vor wie bei einem Elterngespr\u00e4ch in der Schule\u00bb, erinnert sie sich an die Vorladung bei der Audiencia Nacional in Madrid. \u00abSie lasen mir meine militante Karriere und meine Verurteilungen vor, und nach f\u00fcnfzehn Minuten war ich wieder draussen.\u00bb Im Herbst wird die Verhandlung wegen der gef\u00e4lschten Ausweise vor dem Strafgerichtshof stattfinden, Txapartegis Anw\u00e4lt:innen rechnen mit einer geringf\u00fcgigen bedingten Haftstrafe.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Grund f\u00fcr den R\u00fcckzug der \u00fcbrigen Anklagepunkte nannte das Gericht nicht. Weshalb auch kein Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr andere politisch verfolgte Bask:innen geschaffen wurde. \u00abIch h\u00e4tte mir nat\u00fcrlich eine andere R\u00fcckkehr gew\u00fcnscht\u00bb, sagt Txapartegi. \u00abDass wir den politischen Konflikt l\u00f6sen und ich gemeinsam mit den anderen baskischen Gefl\u00fcchteten und den politischen Gefangenen zur\u00fcckkehre. Aber ich bin auch nicht in Handschellen und auf einem Auslieferungsflug zur\u00fcckgekommen, wie es sich der spanische Staat gew\u00fcnscht h\u00e4tte.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erfolg einer Kampagne<\/h2>\n\n\n\n<p>Die jetzt erreichte juristische L\u00f6sung ist f\u00fcr Txapartegi klar dem gesellschaftlichen Druck, der durch die \u00abFree Nekane\u00bb-Kampagne zustande kam, zu verdanken. Unerm\u00fcdlich hatten Aktivist:innen seit Txapartegis Verhaftung in Z\u00fcrich im Fr\u00fchling 2016 \u00d6ffentlichkeitsarbeit geleistet, Demos, Ausstellungen, Infoveranstaltungen organisiert. Der damalige Uno-Sonderberichterstatter f\u00fcr Folter, Nils Melzer, intervenierte, als das Bundesamt f\u00fcr Justiz 2017 ihre Auslieferung an Spanien bewilligte (die dann aber nie vollzogen wurde). Menschenrechtsorganisationen von Augenauf und Humanrights.ch bis zu Amnesty International und zur Weltorganisation gegen Folter&nbsp;(OMCT) setzten sich f\u00fcr Txapartegi ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDie Schweizer Beh\u00f6rden haben sich immer davor gedr\u00fcckt, sich zu den Foltervorw\u00fcrfen zu positionieren, und haben stattdessen versucht, die ganze Angelegenheit einschlafen zu lassen\u00bb, sagt Lea K\u00fcng von der \u00abFree Nekane\u00bb-Kampagne. Die Schweiz konnte es sich nicht leisten, ein gem\u00e4ss Istanbul-Protokoll anerkanntes Folteropfer auszuliefern, wollte aber ebenso wenig das EU-Mitglied Spanien br\u00fcskieren. \u00abIch sehe es&nbsp;als Erfolg unserer Kampagne hier in der Schweiz und jener im Baskenland, dass Nekane nie ausgeliefert wurde und heute frei ist\u00bb, sagt Lea K\u00fcng, die Txapartegi auf ihrer Reise ins Baskenland und nach Madrid begleitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr sie sei nun ein Kapitel abgeschlossen, sagt Txapartegi. Doch der repressive Apparat sei weiterhin aktiv. \u00abSo konnte ich im Baskenland nicht \u00f6ffentlich als politische K\u00e4mpferin empfangen werden, da dies im spanischen Staat als \u2039Verherrlichung des Terrorismus\u203a gilt und strafbar ist.\u00bb Die \u00dcberlebenden staatlicher Gewalt d\u00fcrften weder sagen, was ihnen angetan wurde, noch ihren Kampf verteidigen, sonst w\u00fcrden sie kriminalisiert, so Txapartegi. \u00abAber ich werde nicht still sein. Ich werde weiterhin sagen, was ich denke, und dar\u00fcber sprechen, was mir und uns angetan wurde.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach f\u00fcnfzehn Jahren im Exil ist die politisch verfolgte Aktivistin Nekane Txapartegi ins Baskenland zur\u00fcckgekehrt. Die spanische Justiz hat die wichtigsten Anklagepunkte fallen gelassen, Txapartegis Kampf geht jedoch weiter. 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