Mediendokumentation der Gruppe Augenauf und der Unterstützergruppe Free Nekane zur Pressekonferenz vom 9. Juni 2016 in Bern
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Nekane über Folter
Asteasu, 03.09.1999. Guardia Civil
Es ist, als ob sie in dir etwas gebrochen hätten. Du nimmst Abstand zu dem, was du liebst, um dir nicht zu schaden. Es ist wie eine Verteidigung für {mit} die deinen. Es ist schwer, sich aufzuregen oder es auszudrücken mit dem Nahen, aber nicht mit dem Entfernten (ein Film) oder mit dem, das keine direkte Beziehung hat. Du identifizierst dich mit, was du in anderen siehst, und dann regst du dich auf.
Als Frau, wenn sie deine Intimität gebrochen haben, entblösst, vergewaltigt … das hat bei mir spätere Reaktionen ausgelöst. Wenn sie gesehen haben, was für einen Unterschied macht es, wenn jemand anderes es sieht? Alle sexuellen Übergriffe wurden von Männern durchgeführt, angeordnet in einem Kreis, und ich in der Mitte. Deshalb vermeide ich es immer noch, wenn ich eine Gruppe von Männern sehe, vermeide ich es, durch die Mitte zu gehen. Ich mag es nicht, etwas zu sagen, wenn sie in einer Gruppe sind, weil es mich daran erinnert, was in der Polizeistation passiert ist.
Nach der Flucht ist die psychische Belastung im Exil weniger schwer, es gibt niemanden, der weiss, was passiert ist. Allerdings haben sich, durch das beiseite lassen der psychischen Belastung, die körperlichen Folgen mehr bemerkbar gemacht. Der Schmerz entsteht in den gleichen Wunden der Polizeistation.
Die Folter hat mein Leben in ein bevor und ein danach geteilt, aber hat mich als Mensch und Frau gestärkt. Ich habe viel aus dieser schmerzlichen Erfahrung gelernt, und ich hatte den Mut, mich nach vorne zu bewegen. Der Kampf gegen die Folter hat wie eine Leiter, die ich Tritt für Tritt nach oben gehen musste. Schritt für Schritt vorstossend mit jeder Klage und jeder Zeugenaussage.
Es gab einen Tritt, den hochzusteigen mir in diesem Kampf noch fehlte. Ein Dorn, den ich rausziehen konnte, seit ich in der Polizeistation war. Sie haben mich viel mit diesem Thema zerkleinert, mit wurde mir gesagt, dass ich nach der Vergewaltigung nicht in der Lage wäre Kinder zu haben, dass Sie mich nicht andere wie mich machen lassen würden… Ich wollte schon immer eine Mutter zu sein, vor und nach der Polizeistation. Aber ich wusste, dass ich zuerst die Wunden der Polizeistation heilen musste. Schritt für Schritt, Tritt für Tritt. Der Tag ist gekommen, an dem ich habe auch diesen Dorn entfernt habe, denn ich bin Mutter geworden. Als Frau war das für mich ein großer Erfolg, nicht um ihnen zu beweisen, dass ich es doch kann, sondern für mich selbst. Dass ich es geschafft habe, dass ich nach all diesen Jahren diesen Kampf gegen die Folter gewonnen habe.
Artikel Sonntagszeitung: Spanien wegen “illegaler Fahndung” in Zürich angezeigt
Eine in der Schweiz untergetauchte baskische Politaktivistin soll von inoffiziell eingereisten Polizisten beschattet worden sein (Martin Stoll, Sonntagszeitung, 26. Juni 2016)
Brief von Nekane Txapartegi vom 6.6.2016
Lieber,
Zuerst wollte ich dir sagen dass ich Mühe hatte deine Schrift zu verstehen 😉 . Trotzdem danke für deinen Brief.
Die Briefe brauchen ca. 2 Wochen und ich lese Sie gerne, weil Sie uns in Kontakt mit der äusseren Welt und unserem politischen Engagement halten. Ich ernähre mich von eurer Solidarität und das gibt mir Mut weiter zu kämpfen. Weiterlesen
Zum Asylgesuch von Nekane Txapartegi
Die Schweiz muss entscheiden, ob sie Nekane Txapartegi in der Schweiz Asyl gewährt oder sie nach Spanien ausliefert. Lehnt die Schweiz das Asylgesuch ab, so läuft die Schweiz ernsthaft Gefahr, wegen Verletzung der Anti-Folterkonvention und der EMRK verurteilt zu werden.
Warum die Schweiz Nekane Txapartegi nicht ausliefern kann
Wenn die Schweiz die Auslieferung verweigert, gefährdet sie ihre politischen Beziehungen mit Madrid. Ein Risiko, das andere Staaten bereits eingegangen sind: Belgien hat die Auslieferung einer baskischen Staatsangehörigen an Spanien aus ähnlichen Gründen verweigert. Wenn die Schweiz die Auslieferung bewilligt, setzt sie sich der ernsten Gefahr einer Verurteilung durch das UN Anti-Folterkomitee oder den EGMR aus, die sich nicht davor scheuen zu anerkennen, dass im Untergeschoss von Madrid gefoltert wird.
Blick: Heikles Auslieferungsgesuch aus Spanien – Sommaruga im Folter-Dilemma
Spanien verlangt die Auslieferung einer baskischen Politikerin. Für die Schweiz eine Wahl zwischen Pest und Cholera, denn die Frau erhebt Foltervorwürfe an Madrid. (Von Matthias Halbeis, Sermîn Faki, Blick 10.06.2016) Weiterlesen
Sommaruga très empruntée face à l’Espagne
JusticeMadrid demande l’extradition d’une politicienne basque qui soutenait l’ETA. Dilemme pour la ministre de la Justice: elle aurait été torturée dans les geôles espagnoles. (24 heures suisse, 10.06.2016) Weiterlesen
Reclaman a Suiza que no extradite a Nekane Txapartegi
Miembros de Torturaren Aurkako Taldea, junto a abogados vascos y suizos, han comparecido en Berna para pedir que se rechace la petición de extradición de Nekane Txapartegi. La refugiada vasca, que se encuentra actualmente en prisión en Zurich, fue arrestada en abril y ha solicidado asilo. (naiz, 9.6.2016) Weiterlesen
WOZ: AUSLIEFERUNG: AUF DER FLUCHT VOR DER SPANISCHEN JUSTIZ
Eine baskische Aktivistin soll an Spanien ausgeliefert werden. Dort erwartet sie eine Gefängnisstrafe wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Womöglich kam ihr Geständnis unter Folter zustande.
(Von Raul Zelik, WoZ 09.06.2016) Weiterlesen
